18. Mai 2013
»Kult der Sieger«, so nennt es Raphael Gross, Leiter des Frankfurter Jüdischen Museums, des Fritz Bauer Instituts und des Leo Baeck Institute (London), wenn Juden in Schulbüchern nur als Opfer des Nationalsozialismus erscheinen. Im Gespräch mit Otto R. Romberg bedauerte der Schweizer Historiker diese verengende Perspektive, der er mit der Arbeit des Jüdischen Museums entgegenzuwirken sucht: »Unabhängig vom persönlichen Hintergrund halten wir es für wichtig, eher die Geschichte und Kultur der Juden ins Zentrum zu rücken und nicht isoliert den Fokus auf den Holocaust oder den Nahostkonflikt zu richten. Verknüpfen wir die Darstellung der Geschichte der Juden mit Vergleichen zur christlichen und zur muslimischen Geschichte, können wir parallele, vielleicht auch positive Bilder erzeugen und bieten gleichzeitig die Möglichkeit, etwas über eine andere Gruppe zu lernen, die man nicht kennt.« Es sei ganz wichtig, so Gross weiter, »dass das Jüdische Museum ein Forum bietet für Menschen, die ganz unterschiedliche Positionen gegenüber Israel haben.«
Welche Schwerpunkte sind in nächster Zeit für die Arbeit im Jüdischen Museum geplant? Wie bringt man die Leitung dreier international renommierter Institute unter einen Hut? Welche Befürchtungen hat Gross für die künftige Entwicklung des gerade wieder mit zwei Auszeichnungen bedachten Fritz Bauer Instituts? Wer sich für diese und andere Fragen interessiert, kann das gesamte Interview hier lesen.
18. Mai 2013
Legenden sind langlebig, ganz besonders diejenigen, die zur Diskriminierung und Diffamierung des Gegners genutzt werden können. So erlebte die mittelalterliche Mär, Juden würden das Blut von Christen beim Pessach-Fest verwenden, jüngst eine Wiederaufführung – ausgerechnet auf der Homepage einer »Friedensorganisation«. Anton Maegerle hat diese wie andere antijüdische und antiisraelische Ausfälle dokumentiert. (Beitrag lesen)
18. April 2013
Otto Dov Kulka, ein Historiker und Holocaustüberlebender, der streng zwischen seiner wissenschaftlichen Arbeit und seinem Überleben trennt, der »keine Überlebensberichte las, keine Filme zu dem Thema ansah, keine Ausstellungen dazu besuchte«, denn: »Seine Bilder und seine Erfahrungen … sollten nicht mit fremden Erinnerungen und Deutungen überlagert oder gar überschrieben werden.« Jetzt hat Kulka ein Buch zu seiner »private Mythologie«, seinen »Kindheitslandschaften aus Auschwitz« veröffentlicht, und Susanne Urban, die mit ihm zusammengearbeitet hat, spürt dem Leben und Erleben, Erinnern und Reflektieren ihres früheren Mentors nach. (Beitrag lesen)
2. April 2013
Die 63. Berlinale ist vorbei, die Aufregung um Preisträger und leer Ausgegangene längst verstummt. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr waren Beiträge aus Osteuropa, aber die Bandbreite der gezeigten Arbeiten ist breiter, als die Berichterstattung manchmal erkennen lässt. Barbara von der Lühe hat sich das bunte Treiben der Filmenthusiasten in der deutschen Hauptstadt angesehen und präsentiert ihren persönlichen Schwerpunkt: Filme aus und um Israel sowie über die Shoah. (Beitrag lesen)
30. März 2013
Was macht eine gute Ausstellung aus? Sie verlangt dem Besucher etwas ab. Genau das tut die neue Ausstellung des Jüdischen Museums München. Unter dem Titel »Alles hat seine Zeit. Rituale gegen das Vergessen« zeigt sie rituelle Gegenstände aus dem jüdischen Leben und geht dabei immer wieder über eine »reine Informationsschau« hinaus. Genau angesehen hat sich Katrin Diehl den »Kosmos«, den die Gestalter mit ihrer Ausstellung entwerfen wollen. (Beitrag lesen)
30. März 2013
Im »Dritten Reich« stempelte man ihnen ein »Z« in den Pass, »Z« wie »Zigeuner«, bevor man sie zu Hunderttausenden deportierte und ermordete. Doch mit der Erinnerung an diesen Teil der nationalsozialistischen Verbrechen tat man sich jahrzehntelang schwer. Peter Steinbach schreibt über die Mechanismen des NS-Völkermords an den Sinti und Roma, die »Kontinuität der Ausgrenzung« und das zähe Ringen um Anerkennung. (Beitrag lesen)
13. Februar 2013
Nicht nur in der rechten Szene gehört die Kritik an Israel quasi zum »guten Ton«. Anton Maegerle dokumentiert jüngste Äußerungen aus dem rechten wie dem linken Lager und entlarvt gleichzeitig die dabei gezeigte verzerrte und verzerrende Sicht auf den jüdischen Staat. (Beitrag lesen)
13. Januar 2013
Nach der Einstellung der Druckausgabe der TRIBÜNE mit dem Dezemberheft 2012 (Näheres dazu im Editorial der Ausgabe) veröffentlichen wir wie angekündigt auf dieser Seite neue Beiträge und Interviews zu aktuellen Themen. Den Anfang macht ein Artikel zu einem Jahrestag: Vor 80 Jahren, am 30. Januar 1933, vereidigte Reichspräsident Paul von Hindenburg den Vorsitzenden der NSDAP, Adolf Hitler, als Reichskanzler und beauftragte ihn mit der Regierungsbildung. In der Rückschau war das der Sargnagel für die seit längerem dahinsiechende Weimarer Republik, auch wenn ihre demokratische Verfassung von den nationalsozialistischen Machthabern formal niemals außer Kraft gesetzt wurde. Die Maßnahmen der Regierung sprachen jedoch eine andere Sprache, die von den Zeitgenossen, die hören wollten, durchaus gehört werden konnte.
Zu den Aufmerksamen gehörte auch Dietrich Bonhoeffer. Der Theologe zählt heute zu den bekannten Gesichtern des deutschen Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Selbstverständlich und geradlinig war sein Weg in die Opposition jedoch nicht. Peter Steinbach zeichnet diesen Weg nach und sieht den Ausgangspunkt von Bonhoeffers bewusster Entscheidung zum Gewissenskampf in »seinem eigenen, ganz persönlichen und tief menschlichen Versagen«. (Beitrag lesen)
Liebe Leserinnen und Leser,
das Symposium und die Abendveranstaltung anlässlich des Fünfzigjährigen Bestehens der TRIBÜNE waren ein voller Erfolg. An alle Redner, Referenten und Gäste noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür, dass Sie Zeit fanden, mit uns zu feiern.
Wer die Beiträge des Symposiums nachlesen möchte, kann das in Heft 200, unserer Jubiläumsausgabe, tun. Es enthält die Dokumentation des Jubiläums mit dem Namensbeitrag von Bundespräsident Christian Wulff, allen Referaten, den Grußworten und der Ansprache von Prof. Dr. Salomon Korn. Interviews mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, dem IG Metall-Vorsitzenden Berthold Huber und der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Claudia Roth, sind weitere Highlights der Ausgabe.
In die Jubiläumsausgabe hineinschnuppern kann jeder Interessierte auf unserer Homepage: Hier finden sich einige Kostproben.
Gäste der Abendveranstaltung haben wir damit schon überrascht, jetzt möchten wir alle Leser der TRIBÜNE auf ein besonderes Bonbon zu unserem Jubiläum hinweisen: Das Sach- und Autorenregister der Zeitschrift wurde fortgeführt. Das Verzeichnis für die Jahre 2000 bis 2011 liegt nun als pdf-Dokument vor und kann als CD beim Verlag bestellt werden, Preis 7,50 Euro. Beide Register zusammen, das gedruckte Register für 1962 bis 1999 und die Nachfolge-CD, kosten 21,20 Euro. Die Preise verstehen sich inklusive Versand, die Lieferung erfolgt auf Rechnung.
last update 18.05.2013