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Zeitschrift
zum
Verständnis
des
Judentums |
TRIBÜNE
aktuell
vom 2.9.2010 |
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Zum Tode von Heiner Lichtenstein
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Mit
78 Jahren ist Heiner Lichtenstein, Journalist
und
Publizist, am 4. Juli 2010 verstorben. Mit unserer Zeitschrift TRIBÜNE
war er als Redakteur über 30 Jahre lang verbunden. Sein Beitrag zur
Aufarbeitung der jüngsten deutschen Geschichte, sein entschiedener
Einsatz gegen Diskriminierung, Antisemitismus sowie Rassismus wird uns
für alle Zeit erhalten bleiben. Heiner Lichtenstein hat sich schon
während seines Studiums mit der NS-Zeit auseinandergesetzt. Er hat die
Überlebenden des Nazi-Terrors freundschaftlich betreut, als sie ihre
grausamen Erlebnisse vor deutschen Gerichten bezeugen mussten und
dadurch von den Schrecken der Vergangenheit wieder eingeholt wurden.
1990 würdigte der Zentralrat der Juden in Deutschland Lichtensteins
Engagement mit dem Leo-Baeck-Preis. Die Laudatio hielt der damalige
Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und spätere Bundespräsident
Johannes Rau.
Eine
ausführliche Würdigung von Heiner
Lichtensteins
Wirken ist im Septemberheft der TRIBÜNE erschienen (Link zum Text).
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Tribüne
Heft 186, 2008
Editorial
Dieses
TRIBÜNE-Heft unterscheidet sich von seinen Vorgängern, denn es ist dem
Staat Israel zu dessen 60. Geburtstag gewidmet. In einem Aspekt gibt es
freilich keinen Unterschied. Wir versuchen, Israels Politik zu erklären
und mit kritischer Solidarität zu begleiten, wie es TRIBÜNE in jedem
Heft getan hat. So wird es auch in Zukunft bleiben. Das vorliegende
Heft bietet zahlreiche Gespräche mit Politikern aus Israel und der
Bundesrepublik Deutschland: Mit Israels Staatspräsident Shimon Peres,
mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem israelischen Kollegen Ehud
Olmert, mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem
Vorgänger im Amt, Joschka Fischer, mit der Bundesministerin für Bildung
und Forschung, Annette Schavan, außerdem mit Salomon Korn,
Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Johannes
Gerster, der viele Jahre lang die Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel
geleitet hat, erzählt von seinen durchweg positiven Erfahrungen in
dieser Position. aber auch als Privatmann, wenn man beides überhaupt
voneinander trennen kann. Hinzu kommen spezielle Untersuchungen und
Analysen Israels, seiner Stellung in der Welt und dem Hass, der dem
jungen Staat leider aus vorwiegend muslimischen Staaten
entgegenschlägt. Nicht fehlen dürfen selbstverständlich der Besuch der
Bundeskanzlerin vor wenigen Wochen in Israel und die erste gemeinsame
Kabinettssitzung mit der israelischen Regierung. Die nächste soll im
kommenden Jahr in Berlin folgen und so zu einer festen bilateralen
Einrichtung werden.
Shimon Peres zeigte sich im
Interview fest
überzeugt: „Der Nahostfrieden ist erreichbar“. Zu den
israelisch-deutschen Beziehungen erinnerte der Staatspräsident an die
Lage in den 1950er Jahren. Damals „war Deutschland ein wichtiger
Partner, der Israel half, sich in den ihm auferlegten Kriegen zu
verteidigen. Die ersten amerikanischen Patton-Panzer kamen aus
deutschen Beständen und dort wurden auch die israelischen Panzerfahrer
ausgebildet. Auf dem Gebiet der Abwehrraketen waren ebenfalls die
Deutschen die ersten, die Israel halfen… Deutsche Regierungen standen
im Bemühen um den Frieden auf unserer Seite… Auch künftig werden wir an
der Intensivierung der Beziehungen arbeiten, doch die schreckliche
Vergangenheit kann nicht vergessen werden.“
Auch die
Bundeskanzlerin ist sicher, dass die Gespräche im Nahen Osten zur
Lösung der Probleme fortgeführt werden müssen. „In meinen Gesprächen
mit Ministerpräsident Olmert habe ich deutlich gemacht, wie sehr ich es
begrüße, dass es regelmäßige Gespräche zwischen ihm und Präsident Abbas
gibt, genauso wie die Verhandlungsführer im Rahmen des
Annapolis-Prozesses ihrer Aufgabe weiter nachgehen. Die materielle Lage
der Menschen in den palästinensischen Autonomiegebieten muss sich
verbessern, damit auch sie sehen, welchen Mehrwert Frieden und Abkehr
vom Terrorismus bedeuten. Doch bis dahin müssen wir weiterhin Israel
beim Kampf gegen den Terror unterstützen. .. Niemand bestreitet Israel
das Recht, sich gegen terroristische Angriffe zu verteidigen und zur
Wehr zu setzen.“
Merkels israelischer Amtskollege
Ehud Olmert
ist bei aller gebotenen Skepsis ebenfalls optimistisch. „Im Laufe der
Jahre ist es uns gelungen, Frieden mit unseren Nachbarn Jordanien und
Ägypten zu schließen und vielfältige Verbindungen anzuknüpfen… Zwar
kämpfen wir weiterhin gegen alle, die Terror gegen uns üben, aber die
Verhandlungen mit den Palästinensern sind in ein neues Stadium
getreten. Wir sind fest entschlossen, die Friedensgespräche
fortzusetzen, bis wir die Zweistaatenlösung verwirklichen – meines
Erachtens die einzige mögliche Lösung: Zwei Staaten, einen
Palästinenserstaat für das palästinensische Volk und den Staat Israel
für das jüdische Volk, Nachbarn, die Seite an Seite in Frieden, in
Sicherheit und in gegenseitiger Achtung leben.“
Avi
Primor, der
kürzlich nach Hause zurückgekehrte ehemalige israelische Botschafter in
Berlin, teilt diese Meinung, fügt allerdings hinzu: “… all dies unter
internationalen Garantien. Laut Meinungsumfragen steht in der
israelischen wie in der palästinensischen Bevölkerung eine solide
Mehrheit hinter diesen Prinzipien… Die Truppen könnten aus NATO, UNO
und sogar moslemischen Soldaten bestehen. Die Führung müsste europäisch
sein und amerikanische Zustimmung genießen. Ob die Europäer, die wieder
und wieder erklären, der Frieden im Nahen Osten sei auch im
europäischen Interesse, endlich den Mut dazu aufbringen, eine solche
Initiative zu ergreifen, bleibt bislang fraglich.“
Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier blickte zu Beginn des Gesprächs auf die
Kontinuität der deutschen Israelpolitik zurück. „Die Erinnerung an den
Holocaust und die daraus erwachsenen besonderen Beziehungen gehören zu
den außenpolitischen Grundfesten der Bundesrepublik Deutschland. Wir
sind mit keinem anderen Land durch unsere Geschichte so eng verbunden.
Und ich meine, wir dürfen dankbar sein, dass Israel uns heute zu seinen
engsten Verbündeten und Freunden zählt – und das noch zu Lebzeiten der
Überlebenden des Holocaust. Das war nur möglich, weil israelische
Bürgerinnen und Bürger den Deutschen über die Gräber der Shoah die Hand
gereicht und gemeinsame Brücken zwischen Deutschen und Juden gebaut
haben.“ Der Minister beendete das Gespräch mit einem herzlichen
Geburtstagsglückwunsch an Israel: “In diesem Sinn wünsche ich Ihrem
Land von Herzen `Yom huledet same`akh’.“
Auch für
Steinmeiers
Vorgänger im Amt, Joschka Fischer, war und ist es wichtig, dass in der
deutschen Israelpolitik Kontinuität herrscht. „Die Haltung zu Israel
ist keine Frage der Parteizugehörigkeit, sondern beruht auf einem
breiten Konsens in der deutschen Politik. Jede Bundesregierung vertritt
hier im Grunde genommen die Position, die ihre Vorgänger auch vertreten
haben. Das galt für uns, das gilt für die jetzige Regierung. Wie stark
in dieser Frage die überparteilichen Positionen sind, zeigt sich auch,
wenn in Deutschland Versuche, antisemitische Tendenzen politisch zu
nutzen oder unterschwellig mit ihnen zu spielen, zurückgewiesen werden.
Ich werde es Angela Merkel und auch Edmund Stoiber nie vergessen, dass
sie damals, als Jürgen Möllemann unter stillschweigender Duldung von
Guido Westerwelle seine Kampagne startete, fest und kompromisslos
gestanden haben – das war sicher nicht einfach für sie in ihren
Wählermilieus.“
Forschungsministerin Annette Schavan
wies auf
die Vielfalt gemeinsamer Kooperationen hin. “Dazu gehören rund 620
Projekte, die auf Vereinbarungen mit dem israelischen Ministerium für
Wissenschaft, Kultur und Sport basieren. Dazu gehören aber auch
zahlreiche Industriekooperationen, die vor allem auf die
mittelständischen Unternehmen ausgerichtet sind. Ebenso zählt die
German-Israeli-Foundation for Science and Technology dazu, die in
diesem Jahr ihr Jubiläum feiert, das wir gemeinsam in Israel begehen
werden. Vor allem aber legen beide Seiten Wert auf den Austausch von
Wissenschaftlern, Nachwuchsförderungsprogrammen, die Zusammenarbeit
zwischen Max-Planck-Instituten und Universitäten, ebenso wie die
Kooperation deutscher Stellen mit dem Weizmann-Institut.“
Salomon
Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist
weniger zuversichtlich als die meisten Politiker und verweist auf
Grundsätze muslimischen Glaubens und eine bestimmte weltanschauliche
Position. „Diese verlangt, dass jedes Land, das einmal muslimisch war,
immer muslimisch bleiben muss. Sollte es verloren gehen, ist es eine
heilige Pflicht, es wieder zu erobern. Bis heute trauern die Muslime Al
Andalus nach, das heißt, sie haben auch nach 500 Jahren ihren Anspruch
auf das ‚islamische Spanien’ niemals aufgegeben. Ebenso wenig werden
sie in ihrer Mehrheit Palästina, das heutige Israel aufgeben -
vielleicht nicht in der Mehrheit der Bevölkerung arabischer Staaten,
aber in deren politischer und radikalreligiöser Mehrheit. Wir sehen das
an der Charta der Hamas, der Politik der Hisbollah und ebenso an der
des Iran. Deshalb müssen wir damit rechnen, zu unseren Lebzeiten keinen
Frieden mehr zwischen Palästinensern und Israelis zu erleben –
zumindest nicht das, was wir in Europa unter Frieden verstehen, nämlich
mehr als nur Waffenstillstand.“
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| Inhalt |
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Shimon
Peres
Avi
Primor
Angela Merkel
Ilan Hameiri
Natan
Sznaider
Wolfgang Benz
Ehud
Olmert
Juliana Wetzel
Susanne
Knaul
Frank-Walter Steinmeier
Deidre Berger
Peter
Stiegnitz
Joschka Fischer
Andreas
Disselnkötter
Salomon Korn
Martin
Kloke
Anton Maegerle
Annette
Schavan
Alfons Backes-Haase
Susanne
Wirtz
Viktoria Pollmann
Johannes
Gerster
Josef Stern
Petra
Roth
Hermann J. Sieben
Anat
Feinberg
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Der Nahostfriede
ist erreichbar
60
Jahre ohne Frieden
In
die Zukunft blicken
Eine
Bundesgenossin Israels
Qua vadis, Israel?
Stereotype
und Verschwörungstheorien
Über
alles sprechen
Israel
in den Medien
Macht und Ohnmacht der Medien
„Yom
huledet same`akh“!
Die USA und Israel
Österreich
– Israel
Volle
Handlungsfreiheit gewinnen
Leise Töne – Offene Worte
Kein
Frieden in
Sicht
Vereint gegen Israel?
Hassobjekt der
extremen Rechten
Mit
Wissenschaft zum Frieden
Wunder
im Heiligen Land?
Ein kometenhafter Aufstieg
Kibbuz –
Kinder – Krieg
Von 1997 bis 2006 in Jerusalem
Jecke:
Ein Kompliment?
Ein
festes Band
Jugend
als Zukunft
Nicht nur im Bücherschrank
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